{"id":368,"date":"2019-01-10T22:22:16","date_gmt":"2019-01-10T21:22:16","guid":{"rendered":"http:\/\/kwiat.de\/?page_id=368"},"modified":"2019-01-10T22:22:16","modified_gmt":"2019-01-10T21:22:16","slug":"mario-kwiat-icke-und-die-fans","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kwiat.de\/index.php\/mario-kwiat-icke-und-die-fans\/","title":{"rendered":"Mario Kwiat: &#8222;Icke und die Fans&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\"><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: x-large;\">Icke und die Fans<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<pre><em>Vorbemerkung:<\/em><\/pre>\n<pre><em>Der folgende Text, \"Icke und die Fans\", stammt aus dem Fanzine \"Babbit\", das Mario Kwiat 1962 herausgegeben hat. \nEr besch\u00e4ftigt sich unter anderem mit WE, sprich Walter Ernsting, einem <strong>der<\/strong> Urv\u00e4ter der deutschen Science Fiction-Szene in Deutschland.<\/em><\/pre>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Ach so, die Schuldfrage- nat\u00fcrlich ist wieder einmal WALTER ERNSTING an allem Schuld &#8211; warum?<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Nun, das will ich in einem kurzen Artikel aufzeigen. Es soll keine Historie des deutschen Fandoms, sondern einfach ein Erlebnisbericht aus meiner Warte werden &#8211; so wie ich die Fans kennenlernte, per Motorrad, per Eisenbahn oder mit Frau &#8211; je nach Witterung.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Fangen wir also an &#8211;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Ich bin am 28. Oktober 1935 in Berlin geboren, in einer Zeit, in der das deutsche Volk durch eine Clique gewissenloser &#8222;Herrenmenschen&#8220; schamlos mi\u00dfbraucht wurde.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Die Nationalsozialisten st\u00fcrzten durch ihre verbrecherischen Welteroberungspl\u00e4ne die ganze Welt in ein Chaos.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">In dieser zertr\u00fcmmerten Welt sind wir gro\u00df geworden, und wir haben versucht, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Ich bin meiner \u00dcberzeugung nach ein demokratisch denkender Mensch, dessen h\u00f6chstes Ziel &#8211; zumindest die Verwirklichung eines GEEINTEN Europas ist.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Ich bin der Meinung, da\u00df man den Kommunismus nicht mit leeren Phrasen, sondern durch ein echtes, vorgelebtes Leben in Demokratie schlagen kann. Dazu geh\u00f6rt neben einer sauberen Staatsf\u00fchrung ebenso eine starke milit\u00e4rische Schutzmacht. Die Ereignisse in BERLIN am 13. August 1961 haben uns gezeigt, da\u00df der Bolschewismus kein Mittel scheut, um seine eigenen Ideen mit allen Mitteln durchzusetzen.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Meiner Meinung nach kann gerade der SCIENCE-FICTION-FAN an dieser Tatsache nicht vorbeigehen &#8211; er, der doch vorgibt, sich aktiv mit den m\u00f6glichen Entwicklungen der Zukunft zu besch\u00e4ftigen. Aber leider bin ich gerade in diesen Kreisen immer wieder auf Desinteresse gesto\u00dfen, und besonders bei denen, die &#8222;weit vom Schu\u00df&#8220; leben.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Aber es mag sein, da\u00df ich als Berliner diese Sachen besonders kritisch sehe, mu\u00df doch jeder &#8222;Insel-Bewohner&#8220; feststellen, da\u00df die Bev\u00f6lkerung (zum gr\u00f6\u00dften Teil!) in der BRD sich kaum um die POLITIK k\u00fcmmert.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Aber genug der Einleitung &#8211;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">meine erste Bekanntschaft mit einem UTOPISCHEN ROMAN machte ich etwa 1948, als mir mein Onkel einen HANS DOMINIK zum Lesen gab. Mir gefiel diese Art, &#8222;DIE TECHNIK AUF M\u00c4RCHENHAFTE ART DER JUGEND ZU VERMITTELN&#8216; sehr gut. Ich suchte nun weiter nach \u00e4hnlicher Lekt\u00fcre. Sie war sehr selten, da sah ich pl\u00f6tzlich in einer Leihb\u00fccherei einen HAMILTON HERRSCHER IM WELTENRAUM &#8211; stehen &#8211; und ab dato war ich einer der eifrigsten Leser der SCIENCE FICTION LITERATUR<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Nun fand ich mit der Zeit, da\u00df die meisten der Romane doch nur eine Fortsetzung des WILDWESTROMANES seien, und ich begann, mich besonders nach einem Gedankenaustausch (meckern, meckern, meckern) zu sehnen. Den ersten &#8222;Fan&#8220; fand ich in meinem Freund GERHARD SKOWRONNEK, der aber leider bald sich wieder anderen Dingen (U-Boot-stories) zuwandte.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">In einem UTOPIA-Gro\u00dfband fand ich dann die Nachricht, da\u00df 4.8.I955 in Frankfurt\/Main von JULIAN PARR, RAYMUND Z. GALLUN, WALTER SPIEGL und dem INITIATIATOR WALTER ERNSTING ein Club f\u00fcr die Interessen der utopischen Literatur gegr\u00fcndet worden sei. Postwendend wurde ich Mitglied Nr. 162 des SCIENCE FICTION CLUB DEUTSCHLAND. Damit begann mein offizielles Dasein als &#8222;FAN&#8220;.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Eines Tages flatterte mir eine Postkarte auf den Tisch. Absender: SFC-Berlin, Freunde der Raumschiffahrt. Einladung zu einer Mitgliederversammlung in Berlin-Neuk\u00f6lln.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Darauf hatte ich gewartet, voll Spannung ging ich dort hin&#8230; und drei\u00dfig neugierige Augenpaare blickten mich an &#8211; ich glotzte zur\u00fcck, d.h. viel sehen konnte ich ja nicht, denn die Bude war restlos verqualmt!<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Na, wir stellten uns vor, und nach einiger Zeit war ich NEO in den Kreis der &#8222;alten Fans&#8220; aufgenommen.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Ein \u00e4lterer Herr namens NORBERT LOSSBERGER hielt gerade einen Vortrag \u00fcber FLIEGENDE UNTERTASSEN, der mit gro\u00dfer Skepsis aufgenommen wurde. Dieser Knabe war ein bisserl sehr verschroben, und er wurde auch von den Berliner Fans niemals recht ernst genommen. Wenig sp\u00e4ter zog er sich dann auch gekr\u00e4nkt aus dem Fandom zur\u00fcck, weil ihm niemand seine ADAMschen MARSMENSCHEN abnahm.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Der Gruppenbo\u00df war WOLFGANG KOWAKE, ein sehr flei\u00dfiger und ehrlicher Fan. Er hatte nur eine kleine Schw\u00e4che, er konnte niemals starken Widerspruch haben &#8211; aber sonst war er ein netter Kerl. Wolfgang hatte es sehr gut verstanden, aus dem &#8222;wilden Haufen&#8220; eine respektable Gruppe zu machen, die sogar im JUGENDHEIM ihre Treffen abhalten durfte.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Eines Tages kam mir die Idee, in das Clubzine ANDROmeda auch ein paar Berichte aus Berlin einzuschmuggeln. Nun, es klappte herrlich &#8211; nur von dem Bericht INSEL BERLIN MELDET war nachher nicht viel zu lesen &#8211; ich hatte n\u00e4mlich die Matrizen mit einer uralten Schreibmaschine MIT Farbband geschrieben&#8230; ebenso hatte ich die Skizzen mit einem harten Bleistift fabriziert &#8211; und zu sehen war nix!<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Nun, wie es auch schon damals im Fandom \u00fcblich war &#8211; zuerst wurde auf WE geschimpft! Dann erst kamen die Berliner dran. Hier liegt meiner Meinung nach das Grund\u00fcbel des DEUTSCHEN FANDOMS &#8211; Nee, nicht in WE, sondern in der Art, wie die Clubmitglieder WE gesehen haben. In meinen Augen ist WALTER ERNSTING zwar der erste deutsche Fan (neben ANNE STEUL), der das Clubleben aufgebaut hat, er ist aber nicht an dem Schuld, was die anderen verbockt haben! Der kleine &#8222;fan-fritz&#8216; sah in ihm (damals wu\u00dften wenige, da\u00df er als CLARK DARLTON schreibt) den bewundernswerten Clubpr\u00e4sidenten und machte ihn f\u00fcr alles verantwortlich, was passierte. Waren es nun schlechtbeschriebene Matrizen, unp\u00fcnktliches Erscheinen von ANDRO, mi\u00dfgl\u00fcckte Clubsiegelverleihung und sonstwas &#8211; jedesmal war WE dran schuld!<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Der KLEINE FAN hat vor allem vergessen, da\u00df der Club aus vielen besteht und nicht nur aus dem Vorstand! Dieser ist nur ein ausf\u00fchrendes Organ! Da wir in einer Demokratie leben, hat jeder das Recht und die Pflicht, an seiner Sache mitzuarbeiten &#8211; Wer tut dies aber? Wer k\u00fcmmert sich denn um &#8222;sein&#8220; fanzine? Es sind wenige &#8211; ob der Club nun 10 oder 1000 Mitglieder hat, man findet immer dieselben Namen&#8230;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Nun, unser Beitrag f\u00fcr ANDRO wurde mit der Zeit besser. Unsere Routine im Zusammenstottern von Artikeln und fanishen wurde so gut, da\u00df wir eine wahre Freude daran hatte, PSEUDONYME zu erfinden. Wir hatten es auch n\u00f6tig; denn immer dann, wenn der &#8222;Pflichtabend&#8220; zur Beschriftung der Matrizen kam, fand sich niemand ein. Die ersten INSEL-Berichte stellten wir drei, KOWALKE, LOSSBERGER und ICH zusammen, alle anderen Namen waren erfunden. Was sollten wir auch anders machen? Sollten wir uns blamieren? Sollten wir denn in ANDRO zugeben, da\u00df die gro\u00dfe Berliner Gruppe zu faul war? Aber allm\u00e4hlich bildete sich dann auch ein guter Mitarbeiterstab heran, mit MANFRED ENGEL, KNECHT RUPRECHT, MANFRED ALEX, Fam RAGUSE u.a.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Eines Tages beschlossen wir, ein EIGENES fanzine herauszugeben &#8211; und alle sollten sich einen Namen \u00fcberlegen. Ich kam mit einer zweiseitigen Liste an &#8211; aber Wolfgang erkl\u00e4rte schlicht, das Berliner fan-magazine sollte TERRA hei\u00dfen&#8230;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Ich hatte mich in der Zwischenzeit ein wenig im Beschmieren von Matrizen ge\u00fcbt und war riesig stolz, da\u00df Andro 7 MEIN Titelbild brachte&#8230; ich verging fast vor Stolzl<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Meine Mutter meinte allerdings, das Bild sei K\u00e4se&#8230;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Im Juni 1956 fuhr ich mit Motorrad, Zelt und Freund Arturo nach Italien. Auf der R\u00fcckfahrt machte ich in Irschenberg Station. Wir hatten uns vorher angemeldet und wurden &#8222;sehns\u00fcchtig&#8216; erwartet, d.h. WE schrieb mir: &#8222;Du kannst ruhig erscheinen, ich habe das ganze Haus sowieso mit M\u00fcnchnern voll, da fallt Ihr verwilderte Camper nicht auf.&#8220;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Nun, au\u00dfer dem Dackel und Frau Trudi waren J\u00dcRGEN VOM SCHEIDT, HEINZ FRIES (mit girl), LOTHAR HEINICKE und ein Mann mit Zickenbart (Eckhoff&#8216;?), ein eingebildeter Kommunist, anwesend. Der letztere fan ist, soweit ich mich erinnere, wegen einiger undurchsichtiger Sachen aus dem SFCD ausgeschlossen worden.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Nun, der GROSSE WE gab sich ganz wie ein normaler Mensch, er gab zu, da\u00df er niemals die Absicht habe, irgendwelche Spitzenwerke der sf-Iiteratur zu &#8222;verbrechen&#8220;, er sehe seine Aufgabe darin, die deutschen Fans zusammenzuf\u00fchren und sie durch den Club auf gute B\u00fccher und deren Quellen aufmerksam zu machen. Sein gr\u00f6\u00dfter Wunsch sei, sf in Deutschland popul\u00e4r zu machen &#8211; er gab zu, da\u00df es da auch etliche R\u00fcckschl\u00e4ge geben k\u00f6nne&#8230;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Sein erster Vorschlag lautete damals: &#8222;GEHEN WIR BADEN&#8230;&#8220; (Ja, damals konnte man es im Juni), und wir folgten dem Vorschlag. Vor, nach und w\u00e4hrend der Planscherei unterhielten wir uns \u00fcber sf und deren Randgebiete. Am Abend gab es dann noch einen Clou: FRIES frug meinen Freund, nachdem sie eine heftige Diskussion \u00fcber Robots gehabt hatten, nach irgendeinem Buch &#8211; worauf mein Freund ganz n\u00fcchtern sagte: &#8222;ES IST DAS ERSTE MAL DASS ICH \u00dcBERHAUPT VON SO EINER LITERATURGATTUNG ETWAS H\u00d6RE..&#8220; Das bl\u00f6de Gesicht von Heinz wird mir ewig in Erinnerung bleiben.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Mittlerweile war der Sommer vorbei, ich hatte mit einigen westdeutschen fans, JESCHKE und NOGA, einen Briefwechsel begonnen, der sich sehr vertiefte, da unsere Interessen sich anglichen.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Im Dezember &#8217;56 besuchte ich mit Freundin Alo HEIN BINGENHEIMER in seiner Burg. Es waren recht interessante Stunden, da mich seine anderen hobbies, SCHIESSEN und WITZE ERZ\u00c4HLEN (h\u00f6ren) auch interessierten.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Anfang&#8217;57 zog ich nach Westdeutschland.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Im M\u00e4rz besuchte ich dann als erstes PETER NOGA in Bremen. Wir lie\u00dfen uns \u00fcber dieses und jenes aus, so auch \u00fcber die recht verungl\u00fcckten Clubsiegel-Verleihungen an einige UTOPIA-B\u00e4nde, denen wir kaum zustimmen konnten.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Peter war recht sauer, er meinte, da\u00df der Vorstand die ganze sf-Idee nur benutzte, um eigene Vorteile rauszuschinden. Er griff auch sehr aggressiv die Leute an. Nun, ich versuchte ihn ein wenig zu bes\u00e4nftigen, aber er spielte mit &#8222;alles oder nichts&#8220;. Nun, im fandom darf sich jeder austoben, er darf nur nicht die Grenzen \u00fcberschreiten. Peter tat es, er griff ein wenig unfair WE und andere an, w\u00e4hrend WOLFGANG JESCHKE es mit der Methode &#8222;selber machen besser machen&#8220; versuchte &#8211; mit der GRUPPENRATSBROSCH\u00dcRE &#8222;Ad Astra&#8220;,. Nun, die Lage im Fandom spitzte sich immer mehr zu, da jetzt von der anderen Seite (FRIES UND KOWALKE) einige unfaire Sachen (AD QUERKOPF) ins Feld warfen.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Im Mai &#8217;57 besuchte ich in HANNOVER den stud. fan. GUNTRAM OHMACHT, der in seiner k\u00fcmmerlich kleinen Bude kaum noch vor sf atmen konnte. Guntram &#8211; das liegt an seinem ruhigen Blut &#8211; vertrat eine sehr konventionelle Art des fandoms, der ich nicht immer beistimmen konnte. Aber mein Kontakt zu den HANNOVERANERN war dadurch geschlossen.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Pfingsten 57 war ich in Frankfurt zum Jazzfestival mit Freundin Alo, wir besuchten auch die GRUPPE RHEIN\/MAIN\/TAUNUS, in der sich besonders VOLTZ und THE &#8222;MOLLY&#8220; GRADE hervorhoben.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Der I. DEUTSCHE SF CON in Bad Homburg v.d.H. stand f\u00fcr mich ganz im Zeichen der Kontroverse Vorstand\/JESCHKE-NOGA-Gruppe, und ich kann mich noch recht gut meiner zittrigen Stimme erinnern, als ich vor dem inmitten des Saales stehenden Mikrofon \u00fcber die Heftverlage herzog. Ob es viel gen\u00fctzt hat, da\u00df ich mich da beteiligte &#8211; ich glaube kaum, denn die meisten der Schreier, die vorher GEGEN WE und die anderen geschimpft hatten, zogen sich pl\u00f6tzlich zur\u00fcck, sie wu\u00dften von nichts mehr.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Ich reagierte sauer, als dann der ARBEITSKREIS REAL SF gegr\u00fcndet wurde; ich ahnte gleich, da\u00df es ein totgeborenes Kind sei &#8211; was sich auch sp\u00e4ter herausstellte, denn kein Aas hat sich mehr darum gek\u00fcmmert. Nun, dieser erste Sturm im fan-Wasserglas verlief im Sande.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Aber die Zwistigkeiten waren nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. HEIN mit seiner Gr\u00fcndung des BUCHCLUBs sorgte f\u00fcr eine neue Spannung, die allerdings erst am 1. Juni 58 offen zu Tage trat. Auf Einladung der Gruppe befand ich mich in Frankfurt und ich platzte mitten in die Gr\u00fcndung der STELLARIS SCIENCE FICTION INTERESSENGEMEINSCHAFT hinein, die dort geboren wurde. Ich wurde Mitglied Nr. 8. Der Grund der Neugr\u00fcndung war folgender: ROHR hatte der Gruppe Schwierigkeiten und Ausschlu\u00df aus dem SF&#8217;CE angek\u00fcndigt, wenn sie ihre B\u00fccher weiter bei Hein anstatt bei ihm kaufen w\u00fcrden&#8230;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Im Sommer 58 habe ich dann noch Rainer Eisfeld in Bonn besucht, IHN mu\u00dfte ich ja auch mal kennenlernen, da er ja mit Rohr zusammen den SFCE schmi\u00df. Ich habe mich mit Rainer sehr gut verstanden, weil jeder die Meinung des anderen gelten lie\u00df. Nun, als Entschuldigung kann man anf\u00fchren, da\u00df Rainer auch ein Berliner ist&#8230;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Der am 28. Februar 59 in Hannover stattfindende CON verspreche eine Ann\u00e4herung der sich jetzt rivalisierenden Clubs SFCE\/STELARIS. Er versprach sie, denn am runden Tisch waren alle BIG NAME FANS vertreten und sprachen sich auch. Leider wurden die dort gefa\u00dften Entschl\u00fcsse entweder unabsichtlich oder bewu\u00dft falsch interpretiert, so da\u00df wieder einmal nach einem Con die Sache weiterschwelte. Jeder der Clubs meinte, er h\u00e4tte den &#8222;wahren Honid&#8220; gefressen, jeder wollte den eigentlichen F\u00fchrungsanspruch &#8222;im Namen der Fans&#8220; haben. Dabei geht es doch die meisten Fans einen &#8230; Dreck an, wer mehr zu sagen hat, sie wollen doch nur im Vorstand jemanden haben, der IHNEN alle Arbeit abnimmt. Die Arbeit des Denkens.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Im Mai 59 fuhrt ich mit Freundin Christel gen S\u00fcden. In einer Tagesreise (M\u00fcnster-Irschenberg) schaffte meine Jolle (250 ccm BMW) diese Tour, wir beide aber waren total groggy. Wir suchten uns im Gasthof ZUR POST ein Zimmer und schliefen erst einmal richtig aus (das hei\u00dft, wir wollten, aber nebenan im Tanzsaal war gerade TANZ IN DEN MAI). Aber wenn man einen Tag auf einem Knallkorken gesessen hat, dann \u00fcberwindet man auch das.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Am n\u00e4chsten Morgen gingen wir dann zu WE. Es war ein netter Tag, wir wurden von ERNSTINGS nett bewirtet. Als Gegenleistung knobelten WE und ich dann DIE DACHORGANISATION DER EUROTOPIA aus &#8211; das Ding, das heute vielen Fans schwer im Magen liegt.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Ich war nicht allzusehr optimistisch, aber es gelang dann wohl doch, die EUROTOPIA zu gr\u00fcnden, wenn auch mit Schwierigkeiten.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Ich teilte meine Bedenken WE mit, doch der war guter Laune &#8211; endlich war ein Zusammenschlu\u00df ALLER VEREINE in Sicht. Im Sommer gab es dann doch wieder Streit &#8211; und ich trat aus allen SF-Clubs aus &#8211; ich wollte erst wieder eintreten, wenn EIN Club etwas hervorragendes geleistet hatte&#8230;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Nun, WE war so tolerant und lie\u00df mich, er hat nicht versucht, mich mit irgendwelchen Versprechungen zu halten. Ich war also ein FREIER FAN.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Der gro\u00df angek\u00fcndigte Mini-Con Ostern 60 in Berlin war eine Pleite, es waren kaum Leute aus Westdeutschland erschienen, aber die wenigen (unter Ihnen HORST MARGEM) wurden schwer von den Berlinern ausgequetscht.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Mittlerweile war ich im Fandom ein recht bekannter Zeichner geworden. Ich habe wohl in fast allen deutschsprachigen fanzines etwas illustriert, und so freute ich mich auch, am 1. Juni 60 bei WiVo (WILLI VOLTZ) einen &#8222;Konkurrenten&#8220; bei der ST, DIETER LASSMANN, kennenzulernen. Er machte auf mich einen sehr netten und zur\u00fcckhaltenden Eindruck. Leider habe ich auf dieser Tour etwas sehr wichtiges vers\u00e4umt &#8211; den Whisky, den Wolfgang Jeschke f\u00fcr mich kaltgestellt hatte. Ein IGEL war daran schuld &#8211; einer von der Post. Die Best\u00e4tigungskarte von Wolf hatte ihr Ziel um zwei Postfachnummern verfehlt (er hatte an box 4000 statt 4002 geschrieben). Pech f\u00fcr mich&#8230; aber ich kam trotzdem gut in Italien an.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Im Sp\u00e4tsommer anno 60 war ich dienstlich in M\u00f6nchengladbach t\u00e4tig. Au\u00dfer den TELESKOP-boys PESCHKE und M\u00dcLLER besuchte ich dort auch (es waren ja nur 30-Krad-Minuten), J\u00dcRGEN MOLTHOF in D\u00fcsseldorf. Im Verein mit ROLF GINDORF und PIPPKE verlebte ich dort sehr, sehr nette Stunden im Freundeskreis. J\u00dcRGEN war ein sehr guter und EHRLICHER Fan!<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Aufgrund der Traras, die ein gewisser GOLDSTEIN wegen eines Kurzromans in SPACE TIMES gemacht hatte, beschlossen wir nun die Ausgabe eines zines SEX TIMES &#8211; nur um diese Art von Fans zu \u00e4rgern, was uns auch vortrefflich gelungen ist, denn so viel Leserbriefe wie nach SP T 7 hat wohl kaum je ein fanzine erhalten&#8230;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Im Kreise von &#8222;Gindorf und Konsorten&#8220; hat es mir sehr viel Spa\u00df gemacht. Da sah ich wieder einmal, da\u00df man doch in einer zwanglosen Form viel besser miteinander auskommen kann als durch starre, in Satzungen und \u00e4hnliches vorgeschriebene Formen.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Die Idee einer APA lag in der Luft. B. BL\u00dcM und Manfred ALEX befa\u00dften sich damit; ich machte die D\u00fcsseldorfer, pardon W\u00fclrahter, damit bekannt, und Rolf und J\u00fcrgen waren davon ein wenig begeistert &#8211; sie wollten mitmachen.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Eines Tages kreuzte AXEL MEHLBART, pardon -HARDT, bei J\u00fcrgen auf, und wir besprachen dieses Projekt, das ich kurzerhand FAN (FUTURLAN AMATEUR NACHRICHTEN) taufte. B. Nero Bl\u00fcm war wohl damit nicht recht einverstanden und zog sich maulend zur\u00fcck &#8211; es mag stimmen, vielleicht haben wir seine Idee ein wenig zu stark gef\u00f6rdert, und er ist damit ins Hintertreffen geraten. Aber NERO hat es sich dann \u00fcberlegt und machte wieder bei FAN mit. AXEL war ja ein richtiges Unikum, knapp 17 und dann schon mit einem Bart wie weiland Johann Strau\u00df! Nun, f\u00fcr den nicht, aber f\u00fcr JAZZ schw\u00e4rmte er&#8230; Er hatte sich bei seinem Besuch in K\u00f6ln einen ganzen Koffer echten Jazz besorgt.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Leider musste ich an diesem Tage fr\u00fchzeitig aufbrechen. In M\u00fcnster habe ich dann wieder Kontakt mit den in der Umgebung wohnenden fans aufgenommen. Wir trafen uns zwanglos alle sechs bis acht Wochen, entweder bei EKKEHARD JECHT oder in einem Lokal. Das netteste Treffen arrangierte EIW, als er im Hause seines verreisten Vaters die &#8222;fan-Party&#8220; startete. Er hatte dazu drei Dozenten der Uni eingeladen, mit denen wir dann heftig \u00fcber Kybernetik und m\u00f6gliche Weiterentwicklungen des Menschen diskutierten.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">\u00dcber Weihnachten fuhr ich wieder einmal nach Berlin &#8211; vorher besuchte ich &#8211; ist schon eine Regel geworden &#8211; TOM und WOLFI. Bei Wolfi Thadewald gibt es einen netten Begr\u00fc\u00dfungsbrauch &#8211; man mu\u00df nur klingeln, dann streckt sich eine Hand mit einer Bierflasche durch den T\u00fcrspalt. Bei den Hannoveranern dreht sich das Thema meist um ihr fanzine, und mir werden wieder etliche Zeichnungen aus dem Bauche gelockt.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">In Berlin besuchte ich dann wieder einmal Manny ALEX, der in seiner klitzekleinen Bude trotz Bergen von pockets und fanzines immer noch Platz f\u00fcr Bier und Besucher hat. Der D\u00fcssel-Con am 14.\/15. Januar 61 brachte neben einer Auffrischung der Freundschaft mit J\u00dcRGEN eine nette \u00dcberraschung: den femfan DORIS KOLBERG. Doris studiert &#8222;kleine Kinder&#8220;, wie sie es einmal ausdr\u00fcckte; nebenbei liest sie gern SF-Geschichten. Speziell f\u00fcr Soziologie und Para interessierte sie sich, und da hatte ich einen guten Diskussionspartner.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Wir fuhren zusammen mit einer Freundin von ihr dann auch zum gro\u00dfen CON im<b> <\/b>Homburger Saal. Dort traf ich alte Bekannte und gewann (ich hoffe es) neue Freunde. Besonders freute es mich, WiVo und NERO wiederzusehen; die beiden hatte ich am 1. Mai noch kurz besucht. Bei WiVo kam ich triefend vor N\u00e4sse an, so da\u00df ich gleich in die jeans von ihm umwechseln muste &#8211; und wer Willis Gr\u00f6\u00dfe kennt, wei\u00df, wie komisch ich ausgesehen habe&#8230;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Auf dem Con verlieh man auch Preise; ich durfte den Siegerpreis als &#8222;Bester Amateur-sf-Zeichner&#8220; mit nach Hause nehmen. Nun, ich f\u00fchlte mich keiensfalls vollkommen und hoffe einmal, ein GUTER Zeichner zu werden&#8230;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Meinen Urlaub verlebte ich im August 61 in Berlin, und am 13. hatte ich M\u00fche, \u00fcberhaupt wieder herauszukommen &#8211; und es war nur noch ein Platz in der Maschine frei, und den \u00fcberlie\u00df ich Doris &#8211; es setzte schon in den fr\u00fchen Morgenstunden eine recht Flucht aus Berlin ein.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Nun, es ist kein erhabenes Gef\u00fchl, vielleicht eines Morgens statt von (s)einer Frau vom Spitzbart wachgek\u00fc\u00dft zu werden&#8230;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Weihnachten war ich dann wieder in Berlin, und auf dem R\u00fcckflug erwartete mich in Hannover INGRID FOCH und WOLFI THADEWALD. Nun, galant wie ich bin, \u00fcberreichte ich der &#8222;Amerikanerin&#8220; ein SCHOKOLADENHERZCHEN, das ich aus einem mitgebrachten Plastikeimer hervorkramte. Sie war richtig ger\u00fchrt (ob sie nun aus anderen Gr\u00fcnden milde l\u00e4chelte, wei\u00df ich nicht, Wolfi jedenfalls grinste ganz unversch\u00e4mt).<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Der letzte H\u00f6hepunkt war f\u00fcr mich der Duisburg-Con, den ich mit meiner Frau Susi besuchte, und auch ihr hat es gefallen&#8230;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Zur Zeit freue ich mich auf den CON in Unterw\u00f6ssen &#8211; und wenn Du, lieber Leser, dieses ONESHOT befriedigt, teils unbefriedigt (dann lies GIN-KAREZZA!) zur Seite legst, dann ist dieser Con auch vorbei&#8230;<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Ach, was ich noch erw\u00e4hnen wollte: Ich bin vor kurzem wieder ein UFF geworden. Aufgrund der tollen Leistung der WIENER mit PIONEER bin ich bei der Austrotopia Mitglied geworden.<\/h4>\n<h4 align=\"JUSTIFY\">Ich m\u00f6chte &#8211; zumindest durch meinen Beitrag &#8211; diesen Idealismus unterst\u00fctzen.<\/h4>\n<h4><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icke und die Fans Vorbemerkung: Der folgende Text, &#8222;Icke und die Fans&#8220;, stammt aus dem Fanzine &#8222;Babbit&#8220;, das Mario Kwiat 1962 herausgegeben hat. Er besch\u00e4ftigt sich unter anderem mit WE, sprich Walter Ernsting, einem der Urv\u00e4ter der deutschen Science Fiction-Szene in Deutschland. Ach so, die Schuldfrage- nat\u00fcrlich ist wieder einmal WALTER ERNSTING an allem Schuld<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kwiat.de\/index.php\/mario-kwiat-icke-und-die-fans\/\" class=\"more-link themebutton\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-368","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kwiat.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/368","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kwiat.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kwiat.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kwiat.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kwiat.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=368"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/kwiat.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/368\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":510,"href":"https:\/\/kwiat.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/368\/revisions\/510"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kwiat.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=368"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}